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Pressebericht

Über Die Mainzer Karmelitenbibliothek. Schlaglichter auf einen rekonstruierten Wissensraum referierte Dr. Annelen Ottermann, Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz, auf Einladung der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars und der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS in der Bibliothek des Trierer Priesterseminars. Die Referentin rekonstruierte und analysierte die Mainzer Karmelitenbibliothek von ihren frühesten archivalischen Zeugnissen in den 1430er-Jahren bis zur Aufhebung des Klosters in der Säkularisation 1802. Deren geistlicher und geistiger Bezugsrahmen waren Universität und Stadt Mainz samt Umland. Für das (Selbst-)Verständnis der Mainzer Karmeliten als Bettel- und Predigerorden ist im ortsgeschichtlichen Zusammenhang ihre Doppelfunktion als Seelsorge- und Bildungszentrum besonders wichtig. Der Buchbestand aus Schenkungen und gezielten Anschaffungen förderte die Bewältigung dieser Aufgaben, indem Neugier sowie Entdeckerfreude der Ordensmitglieder in Studium, Seelsorge und Lehre angeregt wurden. Wissen sowie Bildung gaben die Mönche an die Gläubigen in der Pfarrseelsorge und durch Predigten weiter. So wuchs ihr Ansehen bei Laien. „Imageverluste“ während Reformation und Dreißigjährigem Krieg überlebten Kloster und Bibliothek dank einer Ordensreform 1650. Am Beispiel der facettenreichen Bibliotheksverwaltung erläuterte der Vortrag auch den Funktionswandel des Buches vom Kult- zum Studienobjekt. Diesen Bedeutungswandel des Mediums „Buch“ beweist der dynamische „Wissensraum“ mit Auswirkungen auf den Bibliotheksneubau von 1713 und die Systematik der Buchaufstellung. Die bemerkenswerte „Vernetzung“ und geistige Wendigkeit dieser geistlichen Gemeinschaft erklärte die Referentin, indem sie die zerstreute historische Sammlung der Bibliothek darstellte. Dabei skizzierte sie die Spurensuche, Spurensicherung und Spurendeutung des Sammlungsbestands, um das geistliche und intellektuelle Profil dieser Karmelitenbibliothek vorzustellen.




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