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Verborgene Schätze aus der Biblio­thek des Priesterseminars

Im Rahmen der „Buchkunsttage“ Rheinland-Pfalz zeigt die Biblio­thek des Priester­seminars in Trier Porträt­grafiken aus Büchern des 17. und 18. Jahrhunderts.

Gerade in der Barockzeit wurden theo­logische und geschicht­liche Bücher oft mit reprä­senta­tiven Porträts des Verfassers oder des Widmungs­empfängers ausge­stattet. Meistens handelt es sich um großformatige Kupfer­stiche, oft von hoher künstle­rischer Qualität. Manche dieser Porträts faszinieren durch eine ausdrucks­starke und lebens­nahe Zeichnung der Gesichts­züge. So werden die darge­stellten Personen scheinbar zu Zeit­genossen des heutigen Betrachters. Einen Höhe­punkt bildet in dieser Hinsicht das Porträt des 1429 verstorbenen Johannes Gerson. Er war Kanzler der Pariser Uni­versität und einer der wichtigsten Theo­logen seiner Zeit. Zugleich kämpfte er auf dem Konstanzer Konzil (1414–1418) gegen die theo­logische Recht­fertigung eines politischen Mordes und bezahlte dafür mit dem Gang ins Exil. Andere Kupfer­stiche sind aufge­laden mit symboli­schen Elementen und verleihen dem sachlichen Gehalt des Buches eine zusätzliche Bedeutungsebene.

Die Biblio­thek des Priester­seminars verdankt ihren reichen Bestand solcher Porträts den Bücher­sammlungen von Pfarreien, Klöstern und einzelnen Geist­lichen, die ihr in den vergangenen 200 Jahren zuge­wachsen sind. In den letzten Jahren erst konnten die Biblio­thek der Pfarrei St. Kastor in Koblenz und der Altbestand der Missionare von der Heiligen Familie (zuletzt in Alten­hundem im Sauer­land) erworben werden. Eine Fund­grube ist auch die Biblio­thek des Trierer Dom­kapitels, die im Priester­seminar als Depositum verwahrt wird.

Manche der vorgestellten Personen sind heute weit­gehend unbekannt. Lohnend ist nicht nur die Betrach­tung ihrer Porträts, sondern auch die Wieder­entdeckung ihrer Biografie und geistigen Welt. Zu den über­raschenden Neu­entdeckungen gehört Pietro Giorgio Odescalchi (1564–1620), der sich nach dem frühen Tod seiner Ehefrau zum geistlichen Beruf entschloss. Als Bischof von Alexandria und Vigevano folgte er dem Ideal des heiligen Karl Borromäus und starb selbst im Ruf der Heiligkeit. Der bald eingeleitete Prozess zur Selig­sprechung wurde bisher nicht zu Ende geführt.

Alle Interessierten sind eingeladen, ihre eigenen Entdeckungen zu machen. Die Aus­stellung kann kosten­los zu den regulären Öffnungs­zeiten der Biblio­thek (Jesuiten­straße 13 in Trier) besucht werden (montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr) und ist vom 24. Oktober bis zum 21. November 2018 zu sehen. Weitere Infor­mationen oder Anmel­dungen für Führungen telefonisch unter 0651 / 9484-143 oder per E-Mail unter Biblio­thek@bps-trier.de.